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Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Kreismuseum Syke
Denis Fischer - Death Songs
Lieder ohne Schnickschnack
Denis Fischer sang im Kreismuseum über den Tod
Von unserer Mitarbeiterin Birgit Müller
SYKE. Ein junger Mann mit langem schwarzen Mantel und ein Mädchen mit keltischem Schmuck waren bis kurz vor Konzertbeginn die einzigen Gäste. Dann kam aber doch noch eine Fangemeinde aus Bremen sowie einige Syker JFK-Stammgäste, so dass die Diele des Kreismuseums am Freitag Abend zumindest annähernd zur Hälfte gefüllt war. Zu ungewöhnlich war wohl das Programm des Bremer Sängers Denis Fischer, "Death Songs", als dass es die Massen zu dem JFK-Konzert locken würde.
Denen, die kamen, bot Denis Fischer ein familiäres Konzert, bei dem er vor allem mit seiner weichen, klangvollen Stimme beeindruckte. Fischer sang seine Todeslieder pur, ohne Schnickschnack und ohne den Zwang, sich profilieren zu müssen. Dabei pflegte der 27-Jährige durchaus einen lockeren, unverkrampften Umgang mit dem Tod. Und zeigte in eigenen Liedern einen Hang zum Sarkasmus: In einem selbst komponierten Song wollte er sich mit Hank Williams auf der Rückbank seines Cadillacs zu Tode saufen. Ruhig und schlicht, manchmal pathetisch, manchmal mit dem Schalk in der Stimme sang er seine Lieder um den Tod. Sang Lieder über Friedhöfe und gescheiterte Lieben, über Flucht in den Alkohol und über Vampire. Er besang den Tod mit klarer Stimme so schön, dass er seinen Schrecken verlor. Und kitzelte gerade durch den klaren, schnörkellosen Vortrag, der ganz von der eindrucksvollen Stimme Denis Fischers lebte, ironisch, den Widerspruch zwischen Tod und dem Umgang mit ihm heraus.
Diese Ironie lag oft in der Natur der Dinge. Denn in den Liedern, die Denis Fischer auswählte, wurde selten hinterfragt. Wie selbstverständlich erschoss ein Liebender seine Angebetete, als spielte er die Spiele aus Kindertagen nach, in einem anderen Lied wurde ebenso selbstverständlich ein Täter deswegen gehängt. Carsten Sauer am Klavier überließ Denis Fischer die Emotionen. Mit Kraft mimte er die Friedhofsglocken, begleitete Denis Fischer ruhig und getragen, manchmal aber sehr mechanisch. Ralf Stahn zeigte sich am Kontrabass vielseitig - und ebenfalls äußerst getragen. Nur viel zu kurz war das Konzert: Ohne Pause entließ Denis Fischer sein Publikum bereits nach gut einer Stunde. Mit seinen Zugaben begeisterte er noch einmal vollkommen, darunter mit Elvis Costellos "God give me strength".
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Kreiszeitung, Syke, Montag, 23. 6. 2005
Der Tod in der Rockmusik verlangt nach der schmelzenden Ballade
Auf Einladung von JFK präsentierte Denis Fischer (27) seine „Death Songs“ im Kreismuseum
SYKE (fm) • Ach Gott, ja, der Tod in der Rockmusik. Allgegenwärtig, irgendwie. Schon weil er die Besten so früh mit sich nahm. Jim Morrison auf den Père Lachaise, John Lennon bestimmt in den Pop-Olymp, Kurt Cobain schlimmstenfalls in die Hölle und Janis Joplin hoffentlich in einen Himmel voller Whiskey. Oder nehmen wir Hank „The Legendary“ Williams: bejubelt, verhaftet, gedemütigt – und dann? Totgesoffen hat er sich auf dem Rücksitz seines Cadillac. I'll Never Get Out of This World Alive.
Um es zurechtzurücken: Denis Fischers Totenlieder stammen zum Teil von noch recht lebendigen Künstlern. Vom Lied über das tragische Ende des Country-Sängers aus Alabama abgesehen besingt er nicht die Toten der, sondern den Tod in der Rockgeschichte.
Und wer wüsste nicht, dass die Protagonisten hier tief in der Gefühlskiste herumzuwühlen pflegen. Der Tod in der Popmusik verlangt nach der schmelzenden Ballade. Vorsicht ist geboten: Der Kitsch ist greifbar, die Persiflage lockt und damit der Missgriff oder zumindest die Missachtung der Autoren, die sich doch in der Regel bei diesem Thema sehr ernst nehmen. Behutsamkeit ist also am Platze, wenn man sich ernsthaft nähern will.
Und das tut Denis Fischer, unerwartet vielleicht für so manchen Besucher, der ihn aus dem Jungen Theater Bremen vor allem als begabten Komödianten mit Hang zu leicht Schrägem kennen mag. Er verzichtet auf Umdeutung, gar Ironisierung der Vorlagen und betont durch seriöse Kleidung und sparsamste Gestik bewusste Zurückhaltung. Sparsam sind auch die Arrangements. Carsten Sauer spielt Klavier, Ralf Stahn Kontrabass. Ob Willi de Villes „Heaven Stood Still“, Hank Williams „Six More Miles“ oder und vor allem Elvis Costellos “God Give Me Strength” – Denis Fischers Trio reduziert die Originale auf ihren Kern, befreit sie von Ballast, vom Pathos vieler Studio-Arrangeure – und erweist gerade hierdurch den Autoren größten Respekt. Der 27jährige, der ein guter Sänger ist und vielleicht in nicht ferner Zukunft ein sehr guter sein wird, berührt seine Zuhörer mit klarer, fester Stimme in diesem schönen Liederzyklus über die gesamte, allerdings arg kurze Distanz.
Dass der Affe auch mal Zucker braucht, weiß er allerdings auch und platziert zwischen die Covers eigene Stücke. Die witzige Hank Williams-Hommage gehört dazu oder auch das gruftige „I’m Dating My Girl at The Graveyard“ – immerhin hatte die Premiere der „Death Songs“ in einer Friedhofskapelle stattgefunden.
Für die aus Bremen angereisten jungen Leute unter den drei Dutzend Zuhörern ist längst klar: Denis Fischer ist Kult, „der ist doch besser als sein großer Bruder“. Der, Tim, füllte allerdings vor kurzem das Syker Theater fast bis auf den letzten Platz. Jim, John, Janis: Ist das gerecht?
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