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Foto: Jantje Ehlers

Dienstag, 7. Juni 2005, 20.00 Uhr

Radůza

Aus der "Kreiszeitung"

Ein bisschen Edith Piaf und viel vom Großvater

JFK präsentierte Raduza / Musikerin aus Tschechien begeisterte mit einem Hörgenuss zwischen Folk und Pop

SYKE „Das müssen wir machen, die ist stark“, beschrieb Rainer Köster seitens des Vereins JFK seinen Eindruck von der neuen Raduza-CD. In Kooperation mit „Porta Bohemica“ aus Bremen gelang es, die tschechische Musikerin am Dienstag Abend in den Saal der Kreissparkasse einzuladen.

„Junge Städterin mit traditionellem Hintergrund skandiert postkommunistische Sehnsuchtsmelodie“ stand in der Vorankündigung zu lesen. Ob es wirklich so war, blieb den meisten Gästen verborgen, denn die tschechische Sprache ist hierzulande nicht allzu verbreitet.

Dennoch: Als Raduza in rotem T-Shirt, Jeans und Sportschuhen die Bühne betrat, mit einem „Guten Abend“ zum roten Akkordeon griff und kurz den Inhalt des ersten Liedes „bevor ich vom Pferd gefallen bin“ auf etwas holprigem Englisch erklärte, war schon der Funke übergesprungen.

Nur ein kurzer Schluck aus der großen, grünen Wasserflasche und dann nahm sie anschließend die Zuhörer mit auf die Reise zu Obdachlosen in Prag, sprang über zu wilden Bergketten, Lebensverlusten und der großen Liebe und einer alkoholisierten Sechzehnjährigen.

Dem des tschechischen Unkundigen blieben nur die jeweiligen knappen, englischen Ankündigungen und dann musste er sich wohl oder übel ganz auf Raduzas Stimme und ihre Musik einlassen. Ein eher unfreiwilliges Unterfangen mit dem durchaus positiven Nebeneffekt, der eigenen Fantasie zu dem Liebeslied eines Mädchens („Girl‘s love-song“) freien Lauf zu lassen. Wegweiser war Raduzas ausdrucksvolle Stimme, die, gerade noch mädchenhaft zart, plötzlich mit einer geballten Ladung an Temperament zum Wirtshausmusikanten mutierte oder slawische Melancholie verspüren ließ.

Stationen ihres Trips quer durch Europa standen mit einem Stopp in Frankreich, Norwegen oder Italien ebenfalls auf dem Programm. In fliegendem Wechsel baute sie französisch, italienisch, russisch oder polnisch mit in ihre Kompositionen ein, ließ den Zuhörer alle Gemütslagen ihrer Lebensstationen mitverfolgen und schuf eigene, ganz markante Melodien.

Ein wenig Edith Piaf aus Frankreich, ein wenig vom Großvater vererbte Folklore des eigenen Landes, ganz viel Weltoffenheit und eine mitreißende Stimme machen Raduza zu einem nach mehr verlangendem Hörgenuss zwischen Folk und Pop. Den forderte das Publikum, und erst nach zwei Zugaben und einem gut einstündigen Konzert ohne Pause wurde der sympathische Gast entlassen.

„Oh, war das schön!“, meinte anschließend nicht nur Ruzena Klingebiel aus Nordwohlde. Auch Dirk Harms aus Bremen war rundum begeistert von der „neuen“ Raduza. „Vor fünf Jahren war sie auf Einladung unseres Vereins Porta Bohemica schon einmal hier zu Gast und ist trotz ihrer großen Erfolge immer noch unheimlich sympathisch geblieben“, erklärten beide.

Angelika Kratz