Home KonzerteKartenVereinMitgliederPartnerGästebuchKontaktAnfahrt

Samstag, 3. Dezember 2005, 20.00 Uhr

Ferenc Snétberger / Markus Stockhausen

Klangteppiche am intellektuellen Lagerfeuer

Ferenc Snetberger und Markus Stockhausen JFK-Gäste in der Christuskirche / Ernsthaftes ohne weihnachtliche Weisen

Von Rainer Beßling

Foto: Husmann

SYKE Der eine ist den Syker Fans akustischer Gitarrenkunst schon bestens bekannt. Der andere steht bereits lange auf der Wunschliste des hiesigen Konzertvereins Jazz, Folk, Klassik. Seit den JFK-Machern zu Ohren kam, dass Gitarrist Ferenc Snetberger und Trompeter Markus Stockhausen zusammen musizieren, mühten sie sich um ein Gastspiel des Duos an der Hache.

Am Vorabend des zweiten Advents war es soweit. Der schon traditionelle Beitrag des rührigen lokalen Konzertanbieters zu den Weihnachtlichen Kulturtagen bot die Chance eines besinnlichen Tagesabschlusses nach der Hingabe an das dampfende Budenangebot auf dem Rathausvorplatz. Die Kombination Gitarre und Trompete gehört sicher nicht zu den gängigen Formationen. Snetberger und Stockhausen haben aber so viel gemeinsam, dass sie, mit welchen Instrumenten auch immer, fast zwangsläufig zueinander finden mussten.

Beide werden durch herausragende Technik und kultivierte Tongebung dazu verführt, die Grenzen ihres Instruments auszuloten.
So scheren sich die zwei auch wenig um gattungsspezifische Eigenheiten, stilistische Regeln oder Geschmacksverordnungen.
Von einfachen melodischen Motiven oder verführerischen Klangbögen ausgehend, entwickeln sie eine soghafte, meditative Musiksprache, die von Selbstversenkung, Spontaneität und dem intensiven Austausch der musikalischen Ideen lebt.
Wichtige Klammer für die Musik des Duos sind der Improvisationsgedanke und die Phrasierungsvorstellungen des Jazz. Entscheidende Anker für die ausgreifenden Klangerzählungen und -impressionen sind offenbar Gedankentiefe und Sensibilität.
So verweisen die Titel der gemeinsam erarbeiteten Kompositionen schlicht auf den Charakter der Stücke („Sanft“), auf den Bildgehalt (Landschaften mit Morgen- und Abenddämmerung), auf die Haltung der Ausübungen (Empathie), auf Allzumenschliches („Keine Probleme“) oder den gesellschaftspolitischen Kernkonflikt (Der Fremde).
Mit dem Titel im Kopf kann sich der Zuhörer dann ganz auf die schwebenden Klangteppiche, großeuropäischen Skalen und treibenden Rhythmen des Duos Snetberger/Stockhausen setzen und entweder davonträumen, wegschlummern oder über die menschliche Existenz und ihre latente Gefährdung in Natur, Vergangenheit und politischer Gegenwart sinnieren. Ohne dass eingeführte weihnachtliche Weisen erklangen, durchwehte die Christuskirche am Sonnabend der Hochgenuss musikalischer Spitzenkunst und Ernsthaftigkeit.
Von letzterer gab‘s vielleicht sogar eine etwas zu reichlich bemessene Dosis. Aber nur kein Wasser in den Wein: Schön war‘s an diesem intellektuellen Lagerfeuer mit sanftem Signalhorn und susendem Saitenspiel.

Ferenc Snétberger
http://www.snetberger.com

Markus Stockhausen
http://www.markusstockhausen.de/