Samstag, den 22. April 2006
Wolf Maahn solo & acoustic
„Auch Sitzen kann Rock‘n‘Roll sein“
Wolf Maahn gab Solokonzert in der Kreissparkasse / Seine Fangemeinde sang und summte mit
SYKE Öfter mal was Neues bei JFK Syke: Dieses Mal war es der JFK-Kassenwart Jens Kelp höchstselbst, der die Besucher eines besonderen Konzerts begrüßte. Kassenwart? Etwa nur, weil JFK einmal mehr in den Räumen der Kreissparkasse zu Gast war? Nein, sondern weil Kelp mit dem Konzert ein besonderer Wunsch erfüllt wurde. „Wolf Maahn“, so der Vereins-Finanzminister, „kenne und schätze ich seit einem Open Air 1983.“ Der Rocker und Liedermacher, fand Kelp, gehöre nach Syke. Die JFK-Kollegen gaben sofort grünes Licht.
Und nun stand er also da, der alte Wolf des modernen Lied-Genres in all seinen Farben von Rock bis Ballade. Von der Existenz Süükes habe er bisher nicht einmal gewusst, warf Wolf Maahn seinen Fans im ausverkauften Sparkassen-Konzertsaal als erstes entgegen.
Aber er sei, feixte er, sofort beeindruckt gewesen von der Club-Szene der Stadt.
In den unzähligen Syker Musik-Clubs hätte Maahn mit seiner Zauberstraßen-Tour ohne weiteres unterkommen können. Das neue Programm ist eine Ein-Mann-Show, im besten Sinne unplugged, mit Stimme, Gitarre und einem Fuß als Bass-Drum mehr nicht.
W er Wolf Maahn nur von seinen Band-begleiteten Songs kennt, wird mit einiger Gespanntheit erwartet haben, was diese Minimal-Besetzung wohl bringen würde. Sie brachte die Erkenntnis: Weniger ist mehr. Viel mehr.
Schon sein furioser Auftrittssong ließ keine Zweifel daran: Maahn ist der einzige aus der alten Deutschrocker-, Friedensbarden-, Liedermacher-Szene, der die Jahrzehnte nicht nur überlebt hat, sondern mit ihnen gewachsen ist.
Zieht man von ihm und seinem Publikum 25 Jahre ab, hat man ein klares Bild von der Szene, aus der Maahn einst kam. Gegen den Nato-Doppelbeschluss ging es damals musikalisch, sein erstes Soloalbum hieß „Deserteure“. Die meisten der Musiker von anno dazumal sind entweder längst in der Versenkung verschwunden oder unsäglich peinlich geworden.
Maahn aber ist geblieben. Seine Texte sind heutiger, ihre Perspektive etwas älter geworden. Es geht mehr um Liebe („Total verliebt in dich“), um Vergangenheit und Resignation („Soviel Träume waren nur ein Fake“).
Aber es geht noch immer um die Dinge, die das Wichtigste im Leben sind. Dass das heute (und wenn man älter wird) andere Dinge sind als einst, hat Maahn nie geleugnet.
Darum blieb er so authentisch, dass seine Fangemeinde ihm wohl ewige Treue schwur.
Auch die Syker kannten fast jeden Titel, sangen und summten mit, trällerten gar ganze Passagen. Vor allem wenn Maahn völlig abrockte, seine Gitarre erbarmungslos schlagend, seine unglaubliche Röhre auf 150 Prozent, stieg die Temperatur im ohnehin völlig überhitzen Saal noch einmal.
„Mach mal lauter“, sagte er dann noch zu seinen Techniker. „Alles etwas lauter.“ Bis ihm einfiel: „Moment! Wir sind hier immer noch in der Sparkasse. Nicht, dass ihr mir hier völlig ausflippt oder sogar lange Zigaretten raucht!“
So beließen es die Fans beim endogenen Ausflippen. Die aufgeräumte Konzertsaal-Situation ließ (leider) auch gar nichts anderes zu. Und wie sagte Maahn: „Auch Sitzen kann Rock’n’Roll sein, das habt ihr mir ja nun gezeigt.“
Boris Hellmers
|