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Samstag, 18. November 2006, Kreisparkasse Syke

Tobias Delius Quartett 

Musikalisch wie ein Tornado

Tobias Delius Quartett spielte sich in die Herzen des Publikums

SYKE (she)  Wie ein Tornado fegten sie durch den Saal der Kreissparkasse Syke – und am Ende war nichts wie vorher. Das Tobias Delius Quartett bot eine Kostprobe des modernen Improvisations-Jazz und überraschte das Publikum im nur zur Hälfte gefüllten Saal.
Zunächst mutete er seltsam an, der Trupp, der da fast grußlos die Bühne betrat. Tobias Delius, mit Karohemd und himmelblauer Hose, nahm neben seinem Instrument drei Kollegen mit allerbester Reputation mit auf die Bühne: Drummer Han Bennink, groß, weißhaarig und mit zu kurzen Hosen, Cellist Tristan Honsinger, schlaksig, erfahren und ein wenig skurril, und schließlich Bassist Joe Williamson, jung, mit schwarzem Lockenkopf und Hornbrille.

Keine Miene verzogen die Musiker, als sie loslegten wie die Feuerwehr. Als Gruppe mit eigenwilligem Konzept war die Avantgarde-Kapelle angekündigt worden.
Es übertraf diese Titulierung um Längen. Von der ersten Minute an hatte man sich auf ganz neue Klangerlebnisse einzustellen, und das Publikum schien zunächst vor allem zu staunen.

Honsinger malträtierte sein Cello, so dass das Rosshaar an seinem Bogen förmlich auseinander flog und ließ sich nicht lumpen, auch die eine oder andere Gesangsprobe abzuliefern. Williamson zupfte und strich, was das Zeug hielt.

Han Bennink, als Koryphäe mit zeitweise kuriosen Methoden bekannt und nur mit einer Snare am Start, machte die seltsamsten Dinge. Er dämpfte die Trommel mit dem Fuß, begeisterte mit fast schon akrobatischen Jonglage-Einlagen, bedeckte sein Instrument mit einem weißen Frottee-Handtuch oder ließ das Zischen beim Öffnen seiner Wasserflasche scheinbar beiläufig ins Klangbild einfließen. Delius schließlich entlockte seinem Instrument eine derartige Fülle an Klängen, dass man erstaunt den Kopf schüttelte. Das Saxophon raunte oder sang, trötete oder hauchte, und Delius rüttelte und schüttelte sich wie im Rausch. All das ergab ein bisweilen wüstes Klangbild, bei dem man als Zuhörer manchmal verzweifelt auf der Suche nach irgendeinem Halt war. Man wollte doch auch Takt, Rhythmus, Melodie oder Harmonie.

Doch wie aus dem Nichts entstand immer wieder genau das. Plötzlich groovte es, dass man unfreiwillig im Takt mit dem Kopf nickte. Oder eine kleine Melodie beruhigte das verdutzte Ohr, das kurze Zeit später wieder in ungewohntes Terrain geführt werden sollte.

Je länger das Konzert dauerte, umso mehr spielte sich das zudem sehr humorvolle Quartett in die Herzen des Publikums. Manche sehen Delius’ Projekte als die Zukunft des Jazz – das können aufregende Zeiten werden.