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Samstag, 9. Dezember 2006, Christuskirche Syke

Hamburger Ratsmusik

Weicher als heutige Instrumente

Hamburger Ratsmusik in Syke als Höhepunkt der Weihnachtlichen Kulturtage

So weich spielte die Viola da gamba, so zart das Cembalo, und selbst die historische Gitarre klang weicher als die heutigen Instrumente. Kammermusik pur gab es am Sonnabendabend in der Christuskirche. Die Hamburger Ratsmusik trat als kultureller Höhepunkt der Weihnachtlichen Kulturtage Sykes in der Christuskirche auf.

Das reputierte Trio um Ensembleleiterin Simone Eckert, jüngste Errungenschaft ist der „Echo“ für die neue CD, daneben hat die Hamburger Ratsmusik Einspielungen für diverse Rundfunksender gemacht und war auf zahlreichen Musikfestivals zu Gast, hat sich ganz der historischen Originalmusik verschrieben und zeigt das in Perfektion in allen Nuancen. Gitarrist Ulrich Wedemeyer und Simone Eckert kommen mit Instrumenten, auf den der Maestro höchstpersönlich hätte spielen können, wenn er denn überhaupt Viola gamba oder die Gitarre gespielt hätte – sie stammen aus der Zeit Mozarts, dem späten 18. Jahrhundert.

Simone Eckert (Viola da gamba), Michael Fuerst (Cembalo) und Ulrich Wedemeier (Gitarre) spielen sanfte Musik, klassische Kammermusik. Hauchzart gleitet Simone Eckerts Bogen über die Saiten ihres historischen Instruments, und trotz der rasanten Tonfolge erscheint die Musik noch ruhig und bedächtig. Die weiche Intonation der historischen Viola kommt dem entgegen, unterstreicht die Zärtlichkeit der Musik. Auch das Cembalo ist in seiner Art viel weicher als ein Klavier. Auch hier: Michael Fuerst, der sich intensiv mit der Musik des 17. Jahrhunderts beschäftigte, streichelt die Tasten, ist selbst überschäumend noch zart. Seine Finger jagen mit einer Leichtigkeit über die Tasten, die jegliche Emotion, jeglichen Hauch von Temperament in der Perfektion der Noten mitreißt. Lauschen mit Andacht Und auch der historischen Gitarre fehlt jede Härte. Sanftmütig harmonisiert sie mit Cembalo und Viola da gamba. Ulrich Wedemeiers Spezialität war die Chitarrone, eine Bassgitarre mit einem extrem langen Hals, der die tiefen Töne durch die verlängerten Saiten ermöglicht.

Die Zuhörer lauschen mit Andacht und erfahren neben der harmonischen Musik, dass es im Musikerleben vor rund zweihundert Jahren gar nicht so harmonisch zuging: hochgelobte Komponisten, ja selbst Maestro Mozart selbst, hat bei seinen Lehrern die Notenfolgen entlehnt. Nach knapp eineinhalb Stunden Konzert ohne Pause applaudiert das Publikum dem Konzert entsprechend brav, aber ohne wirklichen Enthusiasmus. Es bekommt eine außergewöhnliche kammermusikalische Version des bekannten Weihnachtsliedes „Vom Himmel hoch“ als Zugabe.

Birgit Müller, Syker Kurier