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13. Mai. 2009, 20 Uhr, Kreismuseum Syke
Dazkarieh
Aus der Presse
Andachtsvolle Stille unter den Zuhörern
Portugiesische Band Dazkarieh begeistert im Kreismuseum
Von Dorit Schlemermeyer (Weser Kurier)
Syke. Zuerst hört man nur Musik aus den Lautsprechern, so dass ein seltsam fernes Klangerlebnis entsteht, die Musik scheint von weit her zu kommen. Dann betritt die Gruppe Dazkarieh die Bühne und die Klänge sind gar nicht mehr fern, sondern hautnah, als die schnelle rhythmische Dynamik des Schlagzeuges im Zusammenspiel mit den Instrumenten und der bezwingenden Stimme der Sängerin die Besucher mitten hinein reißt in die Klangwelt von Dazkarieh, einer Klangwelt, für die der Kopf immer wieder versucht Namen zu finden, um dann doch aufzugeben.
Musik entzieht sich jeglicher Zuordnung
Die Musik von Dazkarieh entzieht sich jeglicher Zuordnung, funktioniert ganz nach ihren eigenen Gesetzen und berührt doch vieles in der musikalischen Erinnerung. Am Mittwochabend trat die vierköpfige Gruppe im Kreismuseum in Syke auf und steckte ein kleines, aber von der ersten Sekunde an begeistertes Publikum mit seiner überwältigen Spielfreude an. Rainer Köster von Jazz, Folk und Klassik hatte in seiner Ankündigung die Diskrepanz zwischen den Besucherzahlen West und Ost bei den Konzerten von Dazkarieh beschrieben. "Während in Leipzig 300 Leute kommen, sind es in Marburg nur 30", meinte er. In Syke waren es immerhin fast 50 Gäste, die voll auf ihre Kosten kamen, wenn man dem nicht enden wollenden Applaudieren nach Ende des Konzertes Glauben schenken darf.
Nach einem temperamentvollen Auftakt mit den außergewöhnlichen Instrumenten Nickelhyrpa und Mandoline sang Joana Negrao mit dem Stück "Embalo" eine wunderbar melancholische Ballade "a capella" und demonstrierte die Klangweite ihrer Stimme. Auf der Diele des Kreismuseums entstand andachtsvolle Stille unter den Zuhörern, die konzentriert lauschten, um keinen Ton des Stückes zu verpassen, das von einer verlorenen Liebe erzählt. Es war genau diese Konzentration und Spannung, die das Publikum den ganzen Abend beibehielt - um von der Gruppe immer wieder in ein weiteres aufregendes musikalisches Abenteuer entführt zu werden, eine weitere spannende Geschichte erzählt zu bekommen von fernen Ländern und anderen Kulturen und ihren Instrumenten, der griechischen Bouzouki, der arabischen Darabuka, der schwedischen Nickelharpa oder dem keltischen Dudelsack.
In ihren Liedern wächst zu einem harmonischen und stimmungsvollen Ganzen zusammen, was in entferntesten Regionen unter Bedingungen entstand, die kaum gegensätzlicher sein können. Unter dem Namen "Nu Portuguese Folk" präsentierten Dazkarieh Stücke aus ihrem ersten Album "Igobnita Alquimia" und ihrer neuen Platte "Hemisférios".
Vor zehn Jahren gegründet
Als Vasco Ribeiro Casais die Gruppe vor zehn Jahren gründete, konnte er nicht ahnen, wohin das spannende kulturelle Experiment gehen würde. So hat sich seitdem die Besetzung immer wieder verändert. Neu dabei ist André Silva am Schlagzeug, der sich mit Casais im zweiten Teil des Konzerts ein regelrechtes Duell lieferte in punkto Virtuosität. Sie bekamen ebenso viel Zwischenapplaus wie das Solo von Luis Peixoto an der Irischen Bouzouki.
Fasziniert hörten die Gäste im Kreismuseum auch dem Duell der Dudelsäcke zu und lauschten der Ballade von Senhora Da Azenha und übten sich im "headbanging" bei den Rockstücken. Dazkarieh gelang es, den ganzen Abend den Spannungsbogen zu halten zwischen Folk und Rock, Poesie und Fröhlichkeit, Temperament und Melancholie.
Über die Veranstaltung
Nu Portuguese FolkRock
Der Name des Quintetts aus Lissabon klingt geheimnisvoll, doch er bedeutet gar nichts: „Es ist ein Kunstwort, das wir selbst kreiert haben...“, erzählt Vasco Ribeiro Casais, der die Band 1999 gegründet hat: „...es hat keine Bedeutung außer der, die wir ihm mit unserer Musik verleihen. Wie das Glas, aus dem du trinkst. Es ist nur ein Objekt und erlangt seine Wichtigkeit erst durch den Wein, der drin ist.“
Sie sind also in keiner Weise festgelegt und genauso klingt ihre Musik. Instrumental decken sie gleich mehrere Kulturkreise ab, die kulturelle Reise führt flott und beschwingt von der griechischen Bouzouki bis zur schwedischen Nyckelharpa und wieder zurück zur arabischen Darabuka. Ein keltischer Dudelsack ist ohnehin immer dabei.
Kein Fado. Nirgends. Die Musik ihrer Stadt ist ihnen keineswegs fremd, sie holen sich ihre Inspirationen aber eher aus dem Umland. Doch genauso nahe sind ihnen die Überlieferungen aus anderen Weltgegenden. Sie interessieren sich zunächst für die dortigen Instrumente und bringen sie für den eigenen Dazkarieh-Sound zum Klingen. In ihren Liedern wächst zu einem harmonischen und stimmungsvollen Ganzen zusammen, was in den entferntesten Regionen unter Bedingungen entstand, die gegensätzlicher kaum denkbar sind. Folk in Fusion, Weltmusik als Schmelztigel: Globalisierung kann auch positiv lesbar gemacht werden.
Unter dem Namen „Nu Portuguese Folk“ praktizieren Dazkarieh so ein spannendes kulturelles Experiment, das aber keinesfalls musikwissenschaftlich verkopft daherkommt. Musik soll schließlich Spaß machen.
Eintritt: 18 € (im Vorverkauf 15 €)
Karten:
Kreissparkasse Syke (04242 161365)
Buchhandlung Schüttert in Syke (04242 60452)
Buchhandlung Schüttert in Weyhe (04203 810460)
Bürgerbüro der Stadt Syke (04242 164314)
Fa. Schirmer tk
- in Achim (04202 3031)
- in Bruchhausen-Vilsen (04252 9092525)
- in Sulingen (04271 780700)
- in Bremen, Ostertorsteinweg 30A (0421 3332666)
Homepage Dazkarieh
CD: Incógnita Alquimia (2006)
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