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7. November 2009, 20 Uhr, Konzertsaal der Kreissparksse

Julian & Roman Wasserfuhr Quartet

Aus der Presse

Intensität plus Entertainment

Kreiszeitung, 9.11.2009
SYKE · Wie sich Julian Wasserfuhr einem größeren Publikum vorgestellt hat, könnte man, vorsichtig formuliert, mutig nennen. Der Trompeter war nicht einmal 20, als er zusammen mit seinem älteren Bruder Roman am Klavier das Album „Remember Chet“ heraus brachte. Ausgerechnet Songs einer Ikone der Jazz-Trompete! Damit war die Messlatte hoch gehängt. So mischte sich in die anerkennenden Reaktionen die Anmerkung, bei diesem musikalischen Material müsse vielleicht doch noch ein wenig allgemeine Reife zur besonderen Begabung kommen.

Drei Jahre später steht Julian Wasserfuhr zusammen mit seinem Bruder Roman, dem Bassisten Benjamin Garcia und dem Drummer Oliver Rehmann auf der Bühne der Kreissparkasse Syke. Auf Einladung des Konzertvereins JFK präsentiert das Quartett Musik des Albums „Upgraded in Gothenburg“, das die Wasserfuhrs zusammen mit Jazz-Größen wie Lars Danielsson und Nils Landgren eingespielt haben.

Von einem großen Publikum konnte am Sonnabend keine Rede sein. Aber alle, die da waren, werden ihr Kommen nicht bereut haben. Sie hörten inspirierte und reife Eigenkompositionen der beiden Brüder, eine homogene, spannungsreich kommunizierende Band und einen Trompeter, der nicht zufällig oder übermütig mit einer Verbeugung vor Chet Baker debütierte:
Julian Wasserfuhr berührt mit Balladen, hat in seinen dramaturgisch perfekten Chorussen viel zu sagen. Ihm gelingt ein weicher warmer Ton ohne aufgesetzten Schmelz.
Höhenlage wirkt nicht artistisch und Tiefsinn nicht sentimental. Bruder Roman pflegt einen vergleichbaren Improvisationsansatz: Melodisch grundiert.

Viele stilistische Seiten blättert das Quartet in seinem kurzweiligen Programm auf. Getragen, mit filigraner Rhythmus- und Klangarbeit auf einem zeichenhaften Puls interpretieren die Musiker Lars Danielssons „Song for E.“, eine wehmütige Erinnerung an den tödlich verunglückten Pianisten Esbjörn Svensson.
In übermütigem bluesigem Bop errichten die Wasserfuhrs einem Schuhputzer ein kleines musikalisches Denkmal: „Geno The Shoeshine“.
Im treibenden „Dusan“ entlädt sich Energie in Skalen mit Migrationshintergrund, rockige Patterns bestimmen „Blue Desert“. Wunderschön verträumt das balladeske „Love“. Im abschließenden „Toccata“, einer Up-Tempo-Kompositionen von Lalo Shifrin für Dizzy Gillespie, darf dann mal Virtuosität in den Vordergrund treten. Insgesamt untermauerte das Konzert die Philosophie der Combo, die auf dem Cover des neuen Albums zu lesen ist: Reichtum durch Reduktion.

Dass Intensität und Entertainment in dieser Besetzung über einen ganzen Abend tragen, funktioniert nur mit großartigen Musikern in der Harmonie- und Rhythmusarbeit. Benjamin Garcia setzte auch solistisch mit stilgenauen, energiereichen Improvisationen viel beklatschte Akzente, Drummer Oliver Rehmann steuerte komplexe rhythmische Strukturen bei, ohne Backbeat und Puls zu vernachlässigen.
Auf die weitere kompositorische und interpretatorische Zusammenarbeit der Wasserfuhr-Brüder darf man gespannt sein. In drei Jahren werden die Syker wahrscheinlich weiter fahren müssen, um die Musiker zu sehen.

Rainer Beßling

Über die Veranstaltung

Jazz. Hardbop. Modern Mainstream

Julian ist gerade 19 Jahre und gilt als Geheimtipp unter den jungen deutschen Jazztrompetern. Mit sieben Jahren blies er erstmals ins Horn, als jüngster Teilnehmer der Wettbewerbsgeschichte gewann er „Jugend jazzt“, er war Sieger des „Yamaha Trumpet Contest" 2004, war jüngster Jungstudent im Fach Jazztrompete an der Musikhochschule Köln, wo er heute bei Lead-Trompeter der WDR Big Band Andy Haderer studiert. Er bekam ein Stipendium am berühmten Berklee College of Music in Boston und spielte kürzlich sogar mit Jazzstars wie Joe Lovano und Jon Faddis.

Sein Bruder Roman ist mit 22 Jahren kaum älter. Der Pianist griff erstmals mit sieben Jahren in die Tasten, studiert heute Jazzklavier bei Hubert Nuß an der Kölner Musikhochschule sowie Jazzarrangement/-komposition bei Frank Reinshagen und Prof. Joachim Ulrich. Auch er war Stipendiat an der Berklee College of Music.

Den „Young German Jazz“ verkörpern die beiden vielleicht wie keine anderen Newcomer in unserer Heimat. „Ein umwerfendes Debüt“ jubelte die Süddeutsche Zeitung 2005 über ihr Erstlingswerk „Remember Chet“ – eine Hommage an den legendären West Coast-Trompeter Chet Baker. Wie die Wasserfuhrs aufeinander hören und daraus wunderbare Jazzgeschichten entstehen ist ein Genuss. Ihre (Seelen-)Verwandtschaft kommt dem gemeinsamen Spiel zugute. Kommunikation findet wortlos und intuitiv statt. Die Vertrautheit der Brüder verleiht der Musik einen entspannten und unangestrengten Charakter. Ob mit Trompete oder Flügelhorn, Julian spielt erstaunliche Chorusse, die vor allem in den Balladen viel Nachdenklichkeit und ungekünstelte Sentimentalität ausstrahlen. Sein Bruder Roman stützt mit seinem akzentuiert-strahlenden Klavierspiel diesen frischen, dennoch ausgereiften und luftigen Sound, der weitab von der normalen Kraftmeierei von Teenagern liegt.

Julian Wasserfuhr (Trompete)
Roman Wasserfuhr (Piano)
Robert Landfermann (Bass)
Jonas Burgwinkel (Schlagzeug)

Eintritt: 18 € (im Vorverkauf 15 €)

Karten:

Kreissparkasse Syke (04242 – 161365)
Buchhandlung Schüttert in Syke (04242 – 60452)
Buchhandlung Schüttert in Weyhe (04203 – 810460)
Bürgerbüro der Stadt Syke (04242 – 164314)
Fa. Schirmer tk
- in Achim (04202 – 3031)
- in Bruchhausen-Vilsen (04252 – 9092525)
- in Sulingen (04271 – 780700)
- in Bremen, Ostertorsteinweg 30A (0421 – 3332666)

Homepage Julian und Roman Wasserfuhr